Grußwort von Isabella Vértes-Schütter, ehemalige Intendantin des Ernst Deutsch Theaters
Sehr geehrte Frau Senatorin Schlotzhauer, liebe Melanie,
liebe Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft
und liebe Mitglieder des konsularischen Korps,
liebe Marina Jakob, liebe Christa Goetsch, lieber Hèdi Bouden,
liebe Schüler*innen, liebe Lehrer*innen,
liebe Fördernde des BERTINI-Preises und liebe Gäste,
ich möchte Sie im Namen des BERTINI-Preises und des Ernst Deutsch Theaters sehr herzlich zur 28. Verleihung des BERTINI-Preises willkommen heißen. Mit mir auf der Bühne ist Celine Sawkins und ich freue mich sehr, dass sie gemeinsam mit Marie Schaper diese Preisverleihung übersetzen wird.
Uns fehlt heute schmerzlich in der ersten Reihe Peggy Parnass, die dem BERTINI-Preis von Anbeginn eng verbunden war und bei jeder Preisverleihung dabei gewesen ist. Im vergangenen Jahr ist sie am 12. März verstorben. Liebe Peggy, wir vermissen dich und denken heute ganz besonders an dich.
Der 27. Januar, der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, ist seit 1996 offizieller deutscher Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. In Hamburg verleihen wir an diesem Tag den BERTINI-Preis an junge Menschen, die sich für ein solidarisches Zusammenleben in unserer Stadt engagieren. Der Preis fördert Projekte, die gegen Ausgrenzung von Menschen eintreten und er fördert Vorhaben, die Erinnerungsarbeit leisten.
Der Preis trägt den Namen des Romans „Die Bertinis“ von Ralph Giordano, in dem Ralph uns die Geschichte seiner Familie erzählt. Er gründet auf Ralph Giordanos Lebensthema, auf seine Botschaft, mit wachsamen Augen auf aktuelle politische Entwicklungen zu schauen und sich einzumischen gegen Unrecht und Gewalt, für Frieden und Völkerverständigung. „Die Bertinis“ erzählen vom Eindringen des Nationalsozialismus in den Alltag der Hamburger Familie Bertini: von der beginnenden Ausgrenzung auf dem Spielplatz und später in der Schule wegen der jüdischen Mutter. Dann von der Verfolgung, der Folter in den Gestapo-Kellern, hier im Hamburger Stadthaus, und zuletzt, als die Mutter deportiert werden soll, vom Untertauchen der Familie im Februar 1944 und vom Überleben dank einer mutigen Frau in Alsterdorf.
Ralph Giordano hat seinen eindringlichen Appell, für unsere Demokratie einzutreten, immer wieder an uns gerichtet. „Mein Kompass ist Auschwitz!“ In diesen vier Worten hat er zusammengefasst, was er tat und warum er es tat. Auschwitz, das Vernichtungslager, dem die Familie Giordano mit der jüdischen Mutter kurz vor Ende des „Dritten Reiches“ nur um Haaresbreite und unter furchtbaren Umständen entkommen ist.
Bis zu seinem Tod haben wir Ralph bei jeder Preisverleihung hier erleben dürfen. Seine Stimme, mit der er laut und vernehmlich unsere Demokratie verteidigt hat, fehlt in unserer Mitte: „Wer die Demokratie attackiert, sie angeht, beschädigt oder gar aufheben will, der kriegt es mit mir zu tun, der hat mich am Hals!“, hat Ralph Giordano gesagt. Die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen zeigen uns, dass Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich und dauerhaft sicher sind und dass wir laut und vernehmlich für sie eintreten müssen. Die Menschen, die unsere Demokratie attackieren, sind nicht zu überhören und wir alle sind dazu aufgerufen, dass sie uns am Hals haben.
Wenn wir heute die Verleihung des BERTINI-Preises feiern, dann ist das Zeichen, das dieser Preis am heutigen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus setzt, wichtiger denn je. Und ganz im Sinne von Ralph Giordano möchte ich sagen, dass bei dieser Preisverleihung die Schüler*innen im Mittelpunkt stehen.
Die Jury hat am 11. Dezember beim BERTINI-Forum die eindrucksvollen Präsentationen von 19 Bewerbungen erleben können und ich darf für die Jury sagen, dass wir vom Engagement der Schüler*innen zutiefst beeindruckt waren. Es war eine große Ermutigung und ein Geschenk das mitzuerleben. Die Jury hat für sechs Projekte votiert, in denen wir insgesamt 126 junge Hamburger*innen auszeichnen. Ihr steht heute im Mittelpunkt. Euer beispielgebendes Engagement ist wichtig für unsere Demokratie und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Danke für euren Einsatz und eure Projekte.
Ich möchte noch ankündigen, dass wir am Donnerstag, den 08. Mai, um 11.00 Uhr hier im Theater wieder eine Lesung aus den Bertinis veranstalten. Alle Schüler*innen, die am Wettbewerb teilgenommen haben, sind dazu herzlich eingeladen und wir freuen uns auch darüber hinaus viele Interessierte zu der Lesung begrüßen zu können.
Ich bedanke mich an dieser Stelle nochmal von ganzem Herzen bei allen, die sich für den BERTINI-Preis engagieren und allen voran möchte ich Melanie Henne und Christoph Berens für ihre Arbeit danken. Ich freue mich jetzt auf Christian Buhk, der unsere Veranstaltung moderieren wird, er ist kurzfristig für Aimen Abdulaziz-Said eingesprungen, dem wir gute und schnelle Besserung wünschen. Ich wünsche uns allen eine wunderbare Preisverleihung!