In ihrer Revue „Wer die Wahl hat“ treten zur Neubesetzung eines Parlaments zwei Parteien mit je acht Kandidat*innen in Wortduellen gegeneinander an. Für acht zu besetzende Minister*innenposten bewerben sich je ein/e Kandidat*in aus den Gruppen „Tüdelbänder“ und „Löffelchen“ mit flammenden Reden, etwa zum Klimaschutz oder gegen Diskriminierung, aber auch mit musikalischen oder sportlichen Einlagen. So lässt sich ein Kandidat bei seinen Liegestützen vom Publikum anfeuern und sorgt für muntere Stimmung. Ohnehin ist das Ganze wie eine Gameshow aufgezogen, mit zwei sehr unterschiedlichen Moderator*innen und Chearleader*innen zum Einläuten der Debattierrunden.
Nach jedem Battle wählt das Publikum mittels Kartenzeichen, welcher Gruppe es seine Stimme gibt. Aus der Gruppe mit den meisten Stimmen wird am Ende der Kanzler / die Kanzlerin gewählt. Doch es gibt einen Haken: Eine Gruppe besteht aus Faschist*innen, die andere aus Demokrat*innen und das Publikum weiß nicht, wer hinter welcher Gruppe steht. Es muss sich anhand dessen, was es gehört und gesehen hat, entscheiden.
Tatsächlich haben bei zwei Aufführungen vor Schülern*innen zweimal die Faschist*innen gewonnen. Bei der Aufführung vor Eltern und Lehrkräften waren es die Demokrat*innen. „Das hat uns auf erschreckende Weise gezeigt, wie nötig die Aufklärungsarbeit über den Faschismus sowohl für die Vergangenheit als auch für die Zukunft ist“, sagt Timmy Wolff (19). Kritisch sehen die Schüler*innen etwa die AfD-Posts auf Tiktok, mit denen die Partei gezielt Jugendliche anspricht. „Wir wollten ein Statement für die Demokratie liefern und darauf aufmerksam machen, wie subtil der Faschismus heute ist“, sagt Chenai Mushayavanhu (18). Und so fand nach jeder Aufführung auch ein Austausch mit dem Publikum statt.
„„Wir wollten ein Statement für die Demokratie liefern und darauf aufmerksam machen, wie subtil der Faschismus heute ist““