Konflikte kommen in der Klasse 5a der Haupt- und Realschule Fraenkelstrasse in Barmbek öfter vor. Unter den 23 Schülerinnen und Schülern aus 11 verschiedenen Nationen gibt es genug Probleme. Sie kommen aus Ländern wie der Türkei, Aserbaidschan, Irak, Russland oder Kroatien. Viele Kinder leben mit ihren Familien als Asylbewerber in Hamburg und müssen mit Abschiebung rechnen, einige Schülerinnen und Schüler kommen aus Kriegsgebieten. Nicht immer ist es leicht für sie, sich in der Klassengemeinschaft aufeinander einzulassen. Ein Streit hat die Klasse jedoch nachdenklich werden lassen. Was war vorgefallen? Der 11-jährige Jimroy hatte die aus Bulgarien stammende Mitschülerin Michaela als »Zigeunerin« beschimpft. Sie konterte mit Anspielungen auf die schwarze Hautfarbe von Jimroy, dessen Eltern aus Ghana kommen. Dieser Streit beschäftigte bald auch die anderen Mitschülerinnen und Mitschüler. Einmal in der Woche spricht die Klasse 5a mit Klassenlehrer Björn Lengwenus über die Woche, über Erfolge und Probleme. Auch der Streit von Jimroy und Michaela kam zur Sprache. Es entstand eine Diskussion über die Frage: »Was geht uns das eigentlich an, wenn einer einen anderen beschimpft?« Daraufhin spielte Klassenlehrer Björn Lengwenus das Lied »Sag nein« von Konstantin Wecker vor. Die Zeilen:
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»Wenn sie an deiner Schule, plötzlich lästern über Schwule, schwarze Kinder spüren lassen, wie sie andere Rassen hassen ... sag nein«
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passten haargenau auf die Situation. Und sie gaben eine Anregung, wie die Schülerinnen und Schüler mit dem Konflikt umgehen könnten. »Nach dem Lied haben wir überlegt, zu was wir ›nein‹ sagen wollen. Wir haben große Stopp-Schilder gebastelt und dort ›nein‹ gegen Krieg oder Hass reingeschrieben«, erzählt Arne (12). Doch besonders die Schülerinnen und Schüler, die als Asylbewerber oder Sozialhilfeempfänger schon oft negative Erfahrungen gemacht hatten, störte das ›nein‹. Sie wollten eine positive Botschaft und die Klasse begann sich zu fragen, zu was sie eigentlich ›ja‹ sagen will. Die Schülerinnen und Schüler sammelten, was für sie im Leben wichtig ist. »Jeder von uns hat das aufgeschrieben und ein Foto von sich gemacht«, berichtet Peyman (11) aus Afghanistan. Er schrieb: »Ich sage ja zum Weltfrieden. Mir ist das wichtig, weil die Welt einfach zu schön ist, um sie kaputt zu machen und Menschen sterben zu lassen.« Wie er äußerten viele Fünftklässler den Wunsch nach Frieden. Es gab aber auch ein ›Ja‹ zu den Freuden des Lebens, wie Fußballspielen, Lesen oder Freundschaft. Anderen waren die Bäume wichtig, die Gesundheit oder dass alle Menschen in die Schule gehen. »Die Frage inspirierte die Schülerinnen und Schüler immer mehr«, erinnert sich Björn Lengwenus. Die Kinder begannen, die einfache Frage:
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»Wozu sagst du ›ja‹?«
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schließlich auch ihren Eltern und Geschwistern zu stellen und sammelten deren Aussagen. Sie schrieben an Prominente wie Michael Ballack, Oliver Kahn, Ole von Beust oder Gerhard Schröder. »Nur Jörg Hilbert, der Autor der Ritter-Rost-Bücher, schrieb ausführlich zurück. Alle anderen antworteten gar nicht oder schickten Autogrammkarten. Die Schüler waren etwas enttäuscht, wollen es aber weiter versuchen«, berichtet Klassenlehrer Lengwenus. Insgesamt kamen 40 Aussagen zusammen, die die Klasse in einer 50-seitigen Projektmappe beim BERTINI-PREIS einreichte. »In den Antworten spiegelt sich ein starkes Stück Toleranz, Zivilcourage und Mitmenschlichkeit wider«, freut sich Björn Lengwenus über die fertige Arbeit. Der Lehrer behandelt das Thema »Respekt und Toleranz« auch weiterhin in seinem Religionsunterricht. Der BERTINI-PREIS bestärkt die Klasse darin, nicht wegzusehen und sich einzumischen. »Wir wollen, dass die Menschen sich nicht hassen, nur weil sie unterschiedliche Nationalitäten oder Hautfarben haben«, erklärt Arne. Die Klasse freut sich aber auch über den Preis und das Preisgeld. »Damit machen wir eine Klassenfahrt nach Schweden«, verrät Marat (12) mit etwas Stolz.