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Georg Mewes – ein unerkannter Held

Die Schülerinnen Marina Dietz, Johanna Geyer und Josephine Lindemann vom Gymnasium Buckhorn befassten sich in einer Dokumentation mit dem kurzen Leben des Hamburger Architekten Georg Mewes, der sich von den Nationalsozialisten nicht instrumentalisieren lassen wollte.

Ihr habt über das Schicksal des Hamburger Architekten Georg Mewes eine 47-seitige Dokumentation verfasst. Wie seid ihr überhaupt auf ihn aufmerksam geworden?
    
Die Schülerinnen Josephine Lindemann, Marina Dietz und Johanna Geyer vom Gymnasium Buckhorn befassten sich mit der Biografie des Ohlstedter Architekten Georg Mewes, um die Frage zu beantworten, ob der Mann, der 1944 im KZ Buchenwald ums Leben kam, ein Held war. Durch Zufall waren«Pina Lindemann: Das war eigentlich ein Zufall. Meine Mutter, die ebenso wie ich an historischen Themen interessiert ist, und ich haben auf dem Abrissgrundstück einer Bekannten in Volksdorf einen Koffer mit alten Schriften gefunden, darunter auch eine handgeschriebene Familienchronik der Familie Mewes aus Wohldorf-Ohlstedt. Wir haben die feuchten Blätter erstmal getrocknet, gelesen und dann Uta Schröder übergeben, der Großcousine von Georg Mewes. Sie übergab uns eine abgetippte Version.
    

Als unser Geschichtslehrer im vergangen Jahr vorschlug beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten mit dem Thema „Helden – verehrt, verkannt, vergessen“ mitzumachen, da fiel mir die Familienchronik wieder ein.
  
Was stand denn in der Chronik?
    

Pina: Es waren die Lebenserinnerungen des Georg Mewes senior, einem Gutsverwalter des Gutes Wohldorf. Er beschrieb hier unter anderem das kurze dramatische Leben seine Sohnes Georg Mewes junior. Das einzige Kind des Verwalterehepaars wurde1909 in Ohlstedt geboren. Der Junge war ein begabter Schüler, machte Abitur auf der Lichtwarkschule und  begann dank der finanziellen Förderung des Gutsbesitzers Herrn Sanne Architektur zu studieren.
     
Johanna Geyer: Herr Sanne musste die Zuwendung nach zwei Jahren jedoch einstellen, weil er sein Vermögen durch die Weltwirtschaftskrise verlor und später als Jude vor den Nazis ins Ausland flüchtete. Die Nationalsozialisten boten Studenten wie Georg ein Stipendium an, wenn sie danach in die NSDAP eintreten. Doch das lehnte er kategorisch ab. Sein Vater nahm einen Kredit auf, so dass Georg 1935 sein Studium als Diplom-Ingenieur abschließen konnte.
                                      
Wieso war Georg Mewes für eure Arbeit interessant?
            
Pina: Schon als Student zeigte er erste Anzeichen eines Widerstandes gegen die Nationalsozialisten. Und er folgte ihrer Ideologie auch während seines Berufslebens nicht. Nach dem Studium war er zwar beim von Albert Speer geleiteten „Amt für Schönheit der Arbeit“ angestellt und baute Gemeinschaftshäuser und Freizeitanlagen zur Erholung der Arbeiter. Aber er wollte zum Beispiel nach Kriegsausbruch nicht für die Kriegszwecke der Nazis bauen. „Das sollen die Bonzen tun“, äußerte er in seinem privaten Umfeld.
        
Doch es tat es dann doch...
           
Pina: Er hatte sich freiwillig beim Militär gemeldet, um dieser Aufgabe zu entgehen.  Aber er wurde nicht genommen, denn er war ein renommierter Architekt. Die Nazis setzten ihn als Bauleiter erst in Österreich ein, wo er Flugzeughallen und Kasernen baute, und dann in Norwegen.
          
Und trotzdem wurde er verhaftet?
           
Hasselwisch 5, in diesem Haus hat Georg Mewes gewohnt.Pina: Seine kritische Haltung gegenüber den Nationalsozialisten wurde immer stärker. Während der Zeit als Bauleiter in Norwegen kam er mit hochgestellten Persönlichkeiten zusammen, aber er erlebte auch das Elend der deutschen Soldaten dort mit. Er bekam mit, dass die für die Soldaten in Deutschland gesammelten Spenden gar nicht bei ihnen ankamen.
              

Nach einem Flugzeugabsturz erholte er sich 1942 bei seinen Eltern in Ohlstedt. Seine Frau Isolde, eine Deutsch-Amerikanerin, die er aus dem  Studium kannte und 1938 geheiratet hatte, musste wegen ihrer  Fremdsprachenkenntnisse in Berlin unter Aufsicht der SS feindliche Sender abhören. Georg äußerte immer öfter öffentlich Kritik am NS-Staat, obwohl sein Vater ihn vor Denunzianten aus der Nachbarschaft warnte, und dachte über Auswanderung nach. 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet, sie steckten ihn ohne Prozess ins KZ Fuhlsbüttel.
                
Wie lautete die Begründung? 
              
Johanna: Als Ehemann einer Deutsch-Amerikanerin stand er unter Spionageverdacht, aber auch seine Fluchtpläne und geplanter Hochverrat werden als Inhaftierungsgründe genannt. Später wurde er ins KZ Buchenwald deportiert. Hier starb er im Januar 1944 mit 35 Jahren angeblich an Herzschwäche. Seine Eltern erhielten einen Monat später die Urne mit seiner Asche. Zur Bestattung bekam seine Witwe keinen Urlaub. Sie konnte später über Dänemark und Schweden in die USA fliehen.
         
Zu welchem Ergebnis seid ihr in eurer Arbeit gekommen?
            
Pina: Wir haben überlegt, ob Georg Mewes ein Held war. Nachdem wir uns ausgiebig mit der Definition eines Helden befasst haben, waren wir uns einig, dass er einer war. Er ist nie in die NSDAP eingetreten, war sozial eingestellt und hat sein Wissen nicht verheimlicht, sich trotz der Gefahr für ihn kritisch geäußert.
            
Das zeigt im Kleinen ein Heldentum, das gewürdigt werden sollte. Deshalb werden wir auch einen Stolperstein vor seinem Elternhaus in Wohldorf-Ohlstedt verlegen lassen.
         
Hat eure Arbeit euch viel Zeit gekostet?
             
Pina: Es war teilweise schon anstrengend. Wir haben gut anderthalb Monate recherchiert, haben nicht nur die Familienchronik analysiert, sondern auch im Staatsarchiv Hamburg geforscht und das Bundesarchiv angeschrieben. Dann brauchten wir einen vollen Monat, um die Arbeit zu schreiben. Da mussten wir auch schon mal auf unsere zahlreichen Hobbys verzichten. Aber mehr über Georg Mewes rauszubekommen, war ein großer Ansporn.
                  
Johanna: Es war super interessant die Geschichte durch die Person Mewes nachzuvollziehen und Stück für Stück vorwärts zu kommen. Beim Lesen ist uns die Familie richtig nahe gekommen. Wir sind zu dritt, Marina ist derzeit in den USA, ein gutes Team, und die Zusammenarbeit hat auch Spaß gemacht.
            
Habt ihr euer wichtigstes Ziel erreicht?
                   
Pina: Wir wollten dafür sorgen, dass das Verhalten von Georg Mewes bekannt wird und mehr Informationen über ihn vorhanden sind.
          
Das konnten wir mit der Arbeit, mit dem Stolperstein und letztlich auch mit dem Bertini-Preis erreichen. Und wir konnten zeigen, es gab immer wieder Menschen in der Bevölkerung, die in ihrem Alltag Widerstand gegen das Unrechtsregime der Nazis geleistet haben.



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(Änderungsdatum: 17.06.10)