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Jugend in dunkler Zeit

Wie erging es Jugendlichen im Nationalsozialismus? Diese Frage beschäftigte Schülerinnen und Schüler der Klasse 9b und 9 c des Albert-Schweitzer-Gymnasiums. Sie wollten sich nicht nur auf ihre Geschichtsbücher verlassen, sondern selber erforschen, wie es Jugendlichen während der Herrschaft der Nationalsozialisten erging. Dazu befassten sie sich mit den Schicksalen ehemaliger Zwangsarbeiter und befragten auch die eigenen Verwandten.

JUGEND IN DUNKLER ZEIT: Wie erging es Jugendlichen im Nationalsozialismus? Diese Frage beschäftigte Schülerinnen und Schüler der Klasse 9b und 9 c des Albert-Schweitzer-Gymnasiums. Sie wollten sich nicht nur auf ihre Geschichtsbücher verlassen, sondern selber erforschen, wie es Jugendlichen während der Herrschaft der Nationalsozialisten erging. Dazu befassten sie sich mit den Schicksalen ehemaliger Zwangsarbeiter und befragten auch die eigenen Verwandten. Insgesamt 54 Schülerinnen und Schüler starteten also ein ungewöhnliches Geschichtsprojekt. Axel Zwingenberger übergab ihnen Scheck und Urkunden.

54 Schülerinnen und Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums starteten in der 9. Klasse mit ihrem ungewöhnlichen Geschichtsprojekt. „Unser Ziel war es, näher an die Personen herankommen, die die Zeit erlebt hatten", erklärt Schülerin Meike Buchholz (16) die Motivation. Im Frühjahr 2008 begannen die Klasse 9c mit ihrem Projekt, später stieg auch die Parallelklasse 9b mit ein.

                 

Ein Teil der Schülerinnen und Schüler befragte die eigenen Verwandten. „Meine Urgroßmutter, die heute 87 Jahre alt ist, lebte in Berlin und berichtete mir von dem Leben während der Kriegszeit und dass sie auch Menschen gekannt hatte, die deportiert wurden", berichtet Nikolaj Brahmer (15). Auch die Großmutter und der Großvater zweier weiterer Mitschüler wurden befragt. „Wir konnten uns ja gar nicht vorstellen, unter welchen Bedingungen die Jugendlichen damals aufgewachsen sind", erzählt Clara Mannhardt (13).

                 

Auf der Suche nach weiteren Zeitzeugen bekam die Klasse 9c Unterstützung von ihrer Geschichtslehrerin Silke Urbanski. Sie stellte einen Kontakt zu Imke Hansen von der Universität Hamburg her. Die Historikerin hatte im Auftrag der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" Interviews mit ehemaligen Zwangsarbeitern aus Weißrussland geführt. Acht der Interviews durften die Schülerinnen und Schüler für ihre Arbeit nutzen. Die Interviews waren ins Deutsche übersetzt, ansonsten aber noch nicht bearbeitetet worden, so dass die Jugendlichen das Originalmaterial auswerten konnten. „Wir teilten uns in Gruppen auf, um die 40- bis 60-seitigen Interviews gründlich zu lesen und unter bestimmten Fragestellungen auszuwerten", erinnert sich Nicole Kielinski (16). Auch die Klasse 9b beteiligte sich an dieser Arbeit.

                 

Anhand der Originalquellen erfuhren die Schülerinnen und Schüler viel Bedrückendes über die Schicksale der ehemaligen jugendlichen Zwangsarbeiter. „Sie waren etwa in unserem Alter als sie von den Nazis verschleppt wurden und mussten sehr harte Arbeit verrichten", berichtet Jonathan Fante (16).

                 

Raisa Bulanowa war tief bewegt von der Initiative der Schülerinnen und Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums.So wie die damals 16-jährige Raisa Bulanowa, sie wurde zur Arbeit in einer Maschinenbaufabrik gezwungen. Oder die 17 Jahre alte Muza aus dem Ural, die 1942 mit anderen Männern und Frauen in einem Viehwaggon deportiert wurde, schließlich in Ostpreußen bei einem Bauern landete, wo sie auf dem Feld schuften musste. „1945 wurde sie befreit, aber es hat noch gedauert bis sie wieder in ihrer Heimat war, und dort hatte sie keine Freunde mehr", sagt Clara.

„1944 arbeiteten über sieben Millionen Zwangsarbeiter in Deutschland, ihre Lebensbedingungen waren miserabel und sie bekamen wenig oder gar keinen Lohn für ihre Arbeit. Manche sahen ihre Angehörigen nie wieder", so Lennart Huhn (15), der gemeinsam mit Mitschüler Torben Heinsohn Informationen zur Geschichte der Zwangsarbeit und zu deren Heimat Weißrussland zusammengetragen hatte.

                 

Auch die Lebensgeschichten von jungen Widerständlern wurden mit ins Projekt aufgenommen. Drei Schülergruppen studierten die Biografien von Marek Edelmann, dem letzten Überlebenden des Aufstandes im Warschauer Ghetto, und Philipp Freiherr von Boeselager, der zum Kreis der Hitler-Attentäter um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg gehörte. Eine Gruppe befasste sich auch mit dem Leben des Hamburgers Günter Discher, der als Jugendlicher verhaftet worden war, weil er Swing-Musik hörte, die damals verboten war.

                 

Die Jugendlichen des Projektes ''Jugend in dunkler Zeit''Die Schülerinnen und Schüler gewannen ein komplexes Bild über die verschiedenen Seiten des Lebens unter dem NS-Regime und beschlossen, sich ihre Ergebnisse nicht nur gegenseitig in Referaten vorzustellen. „Zur Erinnerung an die ehemaligen Zwangsarbeiter und auch um die anderen Lebensläufe vorzustellen, planten wir eine Ausstellung und eine Veranstaltung unter dem Titel ‚Jugend in dunkler Zeit'", erzählt Lennart. Es wurden Plakate mit Texten und Fotos gestaltet, Zitate zum Vortragen zusammengestellt. „Wir wollten die Menschen, mit denen wir uns nun so lange beschäftigt hatten, mit ihren eigenen Worten vorstellen, das wirkt sehr authentisch", berichtet Meike Buchholz. Am 24. Juni 2008 fand die Veranstaltung „Jugend in dunkler Zeit" in der Schule statt, zu der Eltern, Großeltern, Mitschüler und Freunde kamen. Der Abend mit Musik und Lesungen wurde von den rund 250 Besuchern sehr gut angenommen. „Es war sehr berührend", erinnert sich Nicole.

                 

Zum Abschluss des Projektes schrieben die Schülerinnen und Schüler Briefe an die ehemaligen Zwangsarbeiter, um über ihre Arbeit zu berichten und bekamen sogar eine Antwort mit viel Lob von einem der Betroffenen. Ihr Preisgeld wollen die beiden Klassen den ehemaligen Zwangsarbeitern spenden, denn sie sind heute alle um die 80 und haben wenig Geld für ihre medizinische Versorgung.



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(Änderungsdatum: 28.08.09)