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Schüler gegen Mobbing

Alexander Hemker (16) wurde jahrelang von seinen Mitschülern gemobbt. Er litt so sehr darunter, dass er beschloss, die Schule zu wechseln. Auf seiner neuen Schule hat der Gymnasiast keine Probleme, er hat Freunde, geht begeistert seinen Hobbys Tanzen, Tennisspielen und Segeln nach. Dennoch ließ ihn das Thema Mobbing nicht mehr los. Er gründete eine Internetseite, auf der Schüler, Eltern und Lehrer heute Rat und Hilfe rund um das Thema Mobbing finden.

Die Anti-Mobbing-Website Alexander Hemker wurde in seiner alten Schule jahrelang von Mitschülern systematisch gedemütigt. Bei Lehrkräften fand er wenig Unterstützung. Er wurde krank. Erst ein Schulwechsel half das Problem zu lösen. Heute geht Alexander Hemker wieder gern in die Schule. In seiner freien Zeit beschäftigte er sich allerdings weiter mit dem Thema Mobbing. Weil er anderen Schülern in ähnlichen Situationen helfen wollte, gründete er eine Homepage gegen Mobbing, auf der betroffene Schüler, aber auch Lehrkräfte und Eltern Rat und Hilfe finden. Die Seite www.schuelergegen-mobbing.de gibt es jetzt seit einem Jahr. Sie wurde bereits über eine Million Mal besucht. Oliver Welling von Spot Media überreichte Urkunde und Scheck.Was ist Dir an Deiner alten Schule widerfahren?
         
Es gab eine Gruppe von Schülern, die mich beschimpften und beleidigten. Sie haben meine Bücher beschmutzt, meine Hausaufgaben gestohlen, über meine Kleidung gelästert, mir Prügel angedroht, wenn ich mich im Unterricht melde. Das fing in der 5. Klasse an und zog sich bis zur 8. Klasse hin, dann habe ich die Schule gewechselt.
        
War der Schulwechsel unumgänglich?
           
In meinem Fall war es die beste Lösung. Ich hatte an der alten Schule alles versucht, um nicht mehr gemobbt zu werden. Mit den Schülern war kein Gespräch möglich. Als einzelner hatte ich gegen die Gruppe keine Chance. Aber auch von Seiten der Lehrer gab es keine Hilfe. Der Beratungslehrer sagte, ich solle mein Verhalten ändern, netter sein. Das hat natürlich nichts gebracht. Es zeigte nur, dass die Lehrer gar nicht wussten, wie man mit solchen massiven Attacken umgehen kann. Weil ich immer öfter krank wurde, unter Kopfschmerzen und Übelkeit litt, sprach ich ausführlich mit einem Arzt, der sich mit dem Thema Mobbing auskennt, mit Professor Peter Riedesser, dem Ärztlichen Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Universitätsklinikum Eppendorf. Er riet mir zum Schulwechsel.
           
An Deiner neuen Schule gibt es keine Probleme, warum wolltest Du das Thema trotzdem weiter verfolgen und öffentlich machen?
                 
Mobbing ist an den Schulen verbreiteter als die meisten Menschen denken. Leider findet aber noch viel zu wenig Aufklärung darüber statt. Ich dachte, dass meine Erfahrungen auch anderen helfen könnten. Deswegen hatte ich auch nichts dagegen, dass Fernsehteams und Zeitungen über meinen Fall berichteten. Um noch mehr Hilfe anbieten zu können, habe ich die Seite www.schueler-gegen-mobbing.de eingerichtet. Hier kann man nachlesen, was Mobbing ist, wie es funktioniert, wer daran beteiligt ist. Und in einem Forum können sich Betroffene über eigene Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig Tipps geben.
               
Aufklärungsarbeit zum Thema Mobbing für Schülerinnen und Schüler, Lehrer und Eltern - Screenshot der Webseite www.schueler-gegen-mobbing.deAb wann beginnt Mobbing?
               
Es kann aus einem Konflikt heraus entstehen, die Übergänge sind fließend. Charakteristisch ist, dass eine Gruppe gezielt, systematisch und anhaltend gegen eine bestimmte Person vorgeht und diese psychisch und physisch attackiert. Dabei kann es jeden treffen. Wer mobben will, findet immer einen Grund.
            
Darum ist der Austausch auch so wichtig?
                 
Ja, es kann einem bei der Erkenntnis helfen, dass man sich nicht selbst als „schuldig" ansieht. Mir war es zum Beispiel nach meinem Gespräch mit Professor Riedesser möglich, eine andere Sichtweise einzunehmen. Schließlich sind nicht die Opfer, sondern die Täter die Schuldigen.
                
Deine Internetseite, die Du mit Hilfe eines Freundes gestaltet hast, startete offiziell im Januar 2007. Seither wurde sie über eine Million Mal angeklickt. Das zeigt, dass das Thema viele bewegt ...
                           
... und es sind nicht nur Schüler, sondern auch Eltern und Lehrkräfte, die sich für praktische Tipps interessieren. Ich finde es gut, dass sich auch Erwachsene informieren und die Schüler ernst nehmen.
                    
Für Deine Initiative bist Du für den BERTINI-Preis vorgeschlagen worden. Hattest Du damit gerechnet, ausgezeichnet zu werden?
                                 
Für mich ist es schon ein positives Gefühl, dass ich anderen mit der Internetseite geholfen habe. Dass ich dafür den BERTINI-Preis bekommen habe, hat mich überrascht, aber auch gefreut.



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(Änderungsdatum: 07.08.08)