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SS-Mord an einem Zwangsarbeiter

18 Realschülerinnen und -schüler der Wilstorfer Haupt- und Realschule Hanhoopsfeld befassten sich mit dem Schicksal des polnischen Zwangsarbeiters Julian Milejski. Er wurde von einem SS-Kommando in Stelle ermordet. Sein Vergehen: Die Liebe zu einer deutschen Frau.

Zwischen 1939 und 1945 arbeiteten zahlreiche Zwangsarbeiter aus Polen und Russland im Landkreis Harburg. Zu ihnen gehörte auch der 21-jährige Pole Julian Milejski, Zwangsarbeiter auf einem Bauernhof in Stelle. In dem kleinen Ort lernte er eine Hamburgerin kennen und ging mit ihr eine Beziehung ein. Doch intime Kontakte zwischen deutschen Frauen und Polen hatten die Nazis als „Rassenschande" bei Androhung der Todesstrafe verboten.

       
Als Julian Milejski das erfuhr, trennte er sich von der Frau. Die Verlassene zeigte ihn daraufhin wegen sexueller Belästigung an. Er kam ins Gefängnis. Um ein Exempel zu statuieren, brachte ihn ein SS-Kommando am 4. Mai 1942 nach Stelle. In einem kleinen Waldabschnitt wurden alle Zwangsarbeiter der Umgebung zusammengetrieben, sie mussten einen Galgen aufbauen und mit ansehen, wie Julian Milejski gehängt wurde. Der Steller Archivar Gerhard Rieckmann hatte dieses Ereignis in seinem Buch „Vergangen, aber nicht vergessen: Stelle unterm Hakenkreuz" dokumentiert.

               
Schülerinnen und Schüler eines Wahlpflichtkurses der Haupt- und Realschule Hanhoopsfeld in Wilstorf lasen das Buch. „Wir waren erschüttert über diesen brutalen Mord", sagt Realschülerin Bianca Flamming (17). „Um uns ein Bild von dem Geschehen zu machen, beschlossen wir nach Stelle zu fahren", erzählt Maik Wietrek (17). Die 18 Realschülerinnen und -schüler des Kurses „Auf den Spuren des Nazi-Terrors in Harburg und Umkreis" machten sich am 16. November 2006 zum ersten Mal auf den Weg. Sie fanden den Ort, an dem der Galgen gestanden hatte.

                     

"Er liegt im heutigen Kaiser-Wilhelm-Park, unter den Einheimischen wird der Park Henkerswald genannt", sagt Fabian Skudlarek (16).

              
"Der Ort war total heruntergekommen, praktisch eine Müllhalde", schildert Jens Engelmann (16).

                         
Kein Denkmal, keine Tafel erinnerte an den rassistischen Mord der Nazis. Das wollten die Schülerinnen und Schüler nicht einfach so hinnehmen.
               

"Wir haben als erstes den Platz entmüllt, da kamen zwei große Anhänger voll alter Reifen, Computer, Plastikplanen und sonstigem Müll zusammen", berichtet Ülber Ferati (16).

         
Die Schülerinnen und Schüler schrieben Briefe an das polnische Generalkonsulat und die KZ Gedenkstätte Neuengamme, um in Polen lebende Verwandte von Julian Milejski zu finden. Diese Suche blieb erfolglos. Als nächstes wollten die Jugendlichen herausfinden, was die Steller Bürger und Schüler über diesen Mord wussten und entwickelten dafür kurze Fragebögen. Doch die Ergebnisse der Befragungen waren niederschmetternd. "Kaum einer wusste, was 1942 im Henkerswald passiert ist", sagt Bianca. Stattdessen mussten sich die Schülerinnen und Schüler bei ihren Befragungen Bemerkungen gefallen lassen wie: „Das ist Vergangenheit", "Das könnt ihr nicht beurteilen, ihr habt das ja nicht miterlebt" oder "Lasst die Finger davon", zitiert Tobias Blieffert (16) einige Aussagen. Auch der Bürgermeister von Stelle lehnte ein Interview mit den Jugendlichen ab: "Er sagte uns, dass er keinen Bedarf dafür erkennen könne", so Tobias.

           
Die Reaktionen machten die Schüler zunächst ratlos. Sie hatten sich aber vorgenommen, das Geschehen in die Öffentlichkeit zu bringen, damit es nicht in Vergessenheit gerät. Deshalb organisierten sie im Juni 2007 zum Abschluss ihres Projektes einen Trauermarsch durch Stelle und eine Kranzniederlegung im sogenannten Henkerswald. "Fast unsere ganze Schule beteiligte sich an dem Trauermarsch, und auch einige Steller Bürger kamen", berichtet Marina Schöpe (16).

          

Der katholische Pfarrer Günter Rössler aus Winsen begleitete den Zug. Kurz darauf erhielten die Schüler eine E-Mail, dass „ein Arbeitskreis von Steller Bürgern in Zusammenarbeit mit der Gemeinde für eine würdige Gestaltung der Stätte sorgen will", erzählt Lehrer Günter Schwabe.



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(Änderungsdatum: 06.08.08)