Kinder haben Rechte
"Verrückt nach Leben" nannten 17 Schülerinnen und Schüler der Förderschule Pröbenweg ihre Aktionswoche, mit der sie für ein gleichberechtigtes Miteinander unter Kindern warben. Zum Auftakt organisierten sie eine Rallye zu Kinderrechten in "Planten un Blomen".
Kinder haben ein Recht auf Gleichheit, auf Gesundheit, auf Bildung, auf Spiel und Freizeit. Sie dürfen ihre Meinung frei äußern und müssen vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden. Diese und weitere Rechte legten die Vereinten Nationen 1989 in der Genfer Kinderrechtskonvention fest. Diese zehn Rechte gelten für alle Kinder auf der ganzen Welt. Doch die Realität sieht oft anders aus und nicht nur in armen Ländern, auch in Deutschland wachsen viele Kinder unter schweren Bedingungen und Benachteiligungen auf.
17 Schülerinnen und Schüler der Förderschule Pröbenweg wollten dieser Realität etwas entgegensetzen und engagierten sich für die Kinderrechte. Mit einer großen Aktion wollten sie deutlich machen, "dass Kinder mit anderer Hautfarbe und Behinderte nicht gehänselt werden dürfen oder dass es keine Gewalt in der Familie gegen Kinder geben darf", erklärt Schülerin Bianca Konkel (15) ihr Anliegen - Themen, die die Schülerinnen und Schüler der Förderschule auch aus der eigenen Erfahrung kennen. Viele kommen aus sozial schwierigen Verhältnissen oder sind aufgrund einer Behinderung benachteiligt.
Die Schülerinnen und Schüler vereinten sich zur "Crew Kinderrechte" und begannen mit der Planung einer Aktion zum 50. Weltkindertag 2004. Gemeinsam mit Lehrer Stefan Romey entwickelten sie die Idee, am 17. September in "Planten un Blomen" eine Kinderrallye zu veranstalten. Auf einem Parcours mit zehn Stationen sollte jedes einzelne Kinderrecht durch Spiele und Informationen dargestellt werden. Für die Idee suchten sich die 14- und 15-Jährigen Verbündete. "Wir haben Flyer zu unserer Aktion an andere Schulen geschickt und sie eingeladen, bei der Rallye mitzumachen", erzählt Gabriel Iwersen (15). Sie bekamen positive Rückmeldungen und gewannen die UNICEF als Kooperationspartner. Die Schülerinnen und Schüler nahmen auch Kontakt zu Politikern auf. Sie luden Antje Blumenthal als Bundestagsmitglied, Herbert Bienk als Senatskoordinator für die Gleichstellung behinderter Menschen und Innensenator Udo Nagel zur Veranstaltung ein. Alle kamen. Schließlich gestalteten sie Plakate und Flyer für die Kinderrallye und verteilten sie am Veranstaltungstag.
Zum Glück war der 17. September ein warmer und sonniger Tag. Etwa 6.000 Kinder kamen zur Rallye. Zehn Schulen hatten die Gestaltung jeweils eines Kinderrechtes auf dem Parcours übernommen. Den Auftakt machte die Förderschule Pröbenweg mit dem Recht auf Gleichheit. "Wir haben dazu Schülerinnen und Schüler unserer Schule, die aus unterschiedlichen Nationen kommen, fotografiert, um zu zeigen, dass alle gleichberechtigt sind", berichtet Prince Kuhlmann, dessen Eltern aus Ghana stammen. In einem Spiel mit geflochtenen Bändern thematisierten die Schülerinnen und Schüler ebenfalls das Recht auf Gleichheit. Anhand von Fragezetteln konnten sich die jungen Besucher die Inhalte der zehn Rechte weiter erarbeiten.
Auch für das musikalische Rahmenprogramm hatten die Schülerinnen und Schüler gesorgt. Sie hatten Bands engagiert, darunter die Chart-Band "Hot Banditoz". Jeder half nach seinen Fähigkeiten mit. Der handwerklich begabte Gabriel etwa engagierte sich beim Bühnenaufbau. Bianca und Shamama passten als Ordner an der Bühne auf, dass während der Konzerte nichts passierte. "Das war ganz schön schwierig, wenn die Leute an die Bühne drängelten", beschreibt Shamama Annan (14) die Situation vor Ort. Während der Veranstaltung wurden auch die UNICEF-Juniorbotschafter ernannt. Für die Förderschule Pröbenweg wurde es Carolin Schramm (14). "Ich vertrete jetzt meine Schule und informiere über Kinderrechte", berichtet Carolin mit etwas Stolz.
Die erfolgreiche Veranstaltung bildete den Auftakt zur Aktionswoche mit dem Titel "Verrückt nach Leben". Dazu gehörten unter anderem ein Training für 50 fußballbegeisterte Kinder mit HSV-Stars oder ein Ausflug in den Wildpark Schwarze Berge, das "Schülermusikfest Ohrensausen" und ein internationales Frühstück mit Unterstützung der Welthungerhilfe in der Förderschule Pröbenweg. "Unser Ziel war es, Kinder mit behinderten Kindern zusammenzubringen und internationale Begegnungen zu fördern", erklärt Lehrer Stefan Romey.
Bei der BERTINI-PREIS-Übergabe lobte Kuratoriumsmitglied Knut Fleckenstein vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) die Schülerinnen und Schüler: "Ihr habt die abstrakte Idee der Kinderrechte erfahrbar gemacht." Die Schülerinnen und Schüler haben sich riesig über den BERTINI-PREIS gefreut. Stolz resümiert Prince Kuhlmann: "Wir sind bislang die einzige Sonderschule, die den BERTINI-PREIS bekommen hat." Und das zum zweiten Mal.
Die Rechte der Kinder:
- Gleichheit
- Gesundheit
- Bildung
- Spiel und Freizeit
- Freie Meinung
- Erziehung ohne Gewalt
- Schutz im Krieg
- Schutz vor Ausbeutung
- Fürsorge der Eltern
- Betreuung bei Behinderung
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