Handeln gegen Rechts
Die Schülerin Sarah Mania beobachtete in ihrem Stadtteil Bramfeld, wie sich Rechtsradikale zunehmend mit Infoständen präsentierten. Um die Menschen zu informieren, wurde sie aktiv und zeigte Zivilcourage.
Regelmäßig standen sie mit ihren Infoständen vor Kaufhäusern oder Geschäften im Stadtteil Bramfeld: Mitglieder der NPD, seriös auftretend, keine „Stiefelnazis", aber mit Hetzschriften gegen Ausländer und die Demokratie ausgestattet. Sie zogen immer mehr Passanten an. Das beobachtete Sarah Mania (18), Schülerin am Gymnasium Grootmoor schon über einen längeren Zeitraum und stellte erschrocken fest: „Die Passanten besaßen offenbar keine wirklichen Berührungsängste, viele nutzten sogar die Stände, um ihren Frust über die aktuelle Politik loszuwerden."
Die Gymnasiastin ist selbst politisch aktiv. Sie engagiert sich bei den Jusos, der Jugendorganisation der SPD. Gemeinsam mit anderen Jungmitgliedern ihrer Partei diskutierte sie über die Präsenz der Rechten und überlegte, welche Aktionen die Jugendlichen dem entgegensetzen könnten. Um die Menschen im Stadtteil für die Themen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus zu sensibilisieren, entschieden sich die Jugendlichen für eine Demonstration. Als Gegenveranstaltung zu rechten Aktionen anlässlich des Hitler-Geburtstages planten sie die Demo für den 20. April. Unter dem Motto „Nein zum Rechtsextremismus" wollten sie „die Leute wachrütteln, damit sie sich bewusst werden, mit wem sie da reden", erklärt Sarah. Sie übernahm die Koordination und suchte weitere Bündnispartner. „Uns war es wichtig, dass die Demo parteiübergreifend auf das Problem aufmerksam macht." Deshalb fragten die jungen Leute bei anderen Parteien nach, ob die sich beteiligen würden. Auf große Resonanz stießen sie bei den Julis, den jungen Liberalen. Auch ver.di, die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft, und die Grüne Jugend unterstützten das Vorhaben.
Nachdem die Veranstaltung angemeldet war, wurden Pressemitteilungen geschrieben, Flugblätter gestaltet, Redner eingeladen und Lautsprecher organisiert - bis die Demo schließlich losgehen konnte. Bei dem Zug vom Einkaufszentrum in Steilshoop bis zum Bramfelder Marktplatz liefen knapp hundert Menschen mit. „Es hätten mehr sein können, aber sich für eine Demo aufzuraffen, ist doch etwas schwieriger", sagt Sarah.
Größere Resonanz brachte die zweite Aktion der Jugendlichen. Als Gegengewicht zu den Rechten präsentierten sie sich mit einem eigenen Informationsstand. In den Gesprächen und Diskussionen am Stand mit Passanten ging es dann nicht allein um Themen wie Rechtsextremismus, sondern auch um Arbeitsmarktpolitik, Rente oder die teuren Folgen der Gesundheitspolitik. „Es war wichtig zu zeigen, dass die demokratischen Parteien die Sorgen der Bürger ernst nehmen", berichtet Sarah. Zudem wollten sie über die Komplexität vieler Themen aufklären und zeigen, dass simple Parolen keine Lösung bieten.
Viele Menschen begrüßten es, dass die demokratischen Parteien „sich auch mal außerhalb der Wahlzeiten vor Ort zeigen, und lobten das Engagement besonders der jungen Leute", resümiert Sarah. Fast jeden Sonnabend gab es den Infostand im vergangenen Jahr. Auch in diesem Jahr will Sarah weitermachen.
Die Schülerin mit dem Berufsziel Journalismus wurde von einem Parteimitglied für den BERTINI-Preis vorgeschlagen und war überrascht über die Auszeichnung. „Eine Demo zu organisieren ist doch nichts Besonderes", meint Sarah in aller Bescheidenheit. Doch gefreut habe sie sich schon. „Es ist eine große Bestätigung für die geleistete Arbeit und ein Motivationsschub", so die Schülerin. Für sie ist es selbstverständlich, etwas für die Gesellschaft zu tun. So will sie auch ihr Preisgeld spenden und schaut sich derzeit nach geeigneten Projekten um.
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