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Aktiv gegen Nazis

Phyllis Albrecht (19) besucht das Albrecht-Thaer-Gymnasium und engagiert sich bei der Schülerzeitung. Als ihr bewusst wurde, wie aktuell das Thema Rechtsextremismus ist, wollte sie auch ihre Mitschülerinnen und -schüler darauf aufmerksam machen und organisierte ein dreitägiges Seminar.

Was brachte Dich auf die Idee, an Deiner Schule ein Seminar mit dem Titel „Aktiv gegen Neonazis, Faschisten und Rassisten" anzubieten?

            

Ein Anstoß kam durch meine Mitarbeit bei der Schülerzeitung „Der ATHeist". In einer Ausgabe befassten wir uns mit dem Rechtsradikalismus in Deutschland. Wir führten Interviews mit Ralph Giordano und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Niels Annen, dem Experten für Rechtsextremismus. Wenn man tiefer in das Thema einsteigt, wird man hellhöriger und merkt, auch an der eigenen Schule fallen Sprüche mit ausländerfeindlicher Tendenz. Da fand ich, man müsste die Themen Rassismus und rechte Gedanken in unserer heutigen Zeit zur Sprache bringen. Nachdem ich in Berlin ein Seminar von der Initiative »Mut gegen rechte Gewalt« besucht hatte und dort auch mit einem Aussteiger aus der rechten Szene gesprochen habe, beschloss ich, einen Workshop an unsere Schule zu holen.

                             

Habt ihr an eurer Schule nicht genügend über den Nationalsozialismus erfahren?

                

Wir haben das Thema natürlich im Unterricht behandelt und auch die Gedenkstätte KZ Neuengamme besucht. Aber nur Geschichtszahlen zu lernen, reicht nicht aus, die Jugendlichen müssen sich auch ange-sprochen fühlen. Und der Bezug zur Gegenwart fehlte völlig, deshalb wollte ich eine Möglichkeit schaffen, über das Thema heute zu sprechen.

                     

War es leicht, das Seminar vorzubereiten und bei der Schulleitung durchzusetzen?

                

Als erstes habe ich mich an Fachleute gewandt, wie den TAZ-Journalisten Andreas Speit, der schon mehrere Bücher dazu geschrieben hat. Der sagte sofort zu, ebenso wie eine Expertin, die etwas zur Verbreitung der Rechten in Hamburg sagen kann. Das war mir wichtig, denn es betrifft nicht nur den Osten Deutschlands, wie manche glauben. Ich habe dann ein Konzept ausgearbeitet und die Schulleiterin angesprochen. Sie hat aber zunächst alles abgelehnt. Mit der Unterstützung eines Lehrers habe ich es wieder versucht und konnte sie schließlich überzeugen.

        

Das Seminar dauerte drei Tage von jeweils 9 bis 16 Uhr, wie kam es bei den Schülern an?

             

Mitgemacht haben 15 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 9 bis 13, darunter auch Schüler, die ich vorher nicht kannte. Neben den Vorträgen haben wir viel diskutiert und selber recherchiert und am dritten Tag eigene Artikel zum Thema verfasst. Zum Schluss sagten die Teilnehmer, dass sie die Tage sehr informativ fanden. Und alle, die dabei waren, engagieren sich jetzt immer noch, zum Beispiel bei unserem neuen Projekt: Schule ohne Rassismus.

                

Sollten sich die Schüler weiter engagieren?

                  

Mir war es vor allem wichtig, dass die Teilnehmer sich nicht - wie in der Schule - etwas vom Lehrer erzählen lassen, sondern sich die Thematik selber erarbeiten, sich eine Meinung bilden und die Erkenntnisse auch weitergeben. Deswegen ist zum Ende des Seminars auch eine Zeitung entstanden, die wir dann an der Schule verteilt haben.

   

Woher kommt Dein enormes Engagement, was treibt Dich an?

           

ich bin ungefähr seit zwei Jahren bei der Schülerzeitung dabei, und daraus ergaben sich weitere Aktivitäten. Dabei habe ich gemerkt, wenn man sich engagiert, lernt man eine ganze Menge neben der Schule. Das reicht vom Antrag schreiben bis zum Umgang mit Menschen. Und man lernt auch aus seinen Fehlern. Meine schulischen Leistungen sind dadurch nicht schlechter geworden.

                

Du wurdest für den BERTINI-Preis von einem Freund und früheren BERTINI-Preisträger vorgeschlagen. Hast Du mit der Auszeichnung gerechnet?

                

Der Preis war für mich eine Überraschung, ich habe mich sehr darüber gefreut, denn er ist eine tolle Unterstützung, er motiviert zum Weitermachen. Mit meinem Preisgeld möchte ich auch gerne andere Projekte unterstützen.



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(Änderungsdatum: 23.06.08)